Mit modernsten Zuchtmethoden und gutem Management auf der Erfolgsschiene

Die Entwicklungen in der Landwirtschaft allgemein und besonders in der Schweinehaltung erfordern kosten- und leistungsbezogenes Vorgehen. Ein wesentlicher Punkt ist die Qualität der eingesetzten Tiere mit denen ein Schweinehalter heute in seinem Betrieb arbeitet.

In der Schweinezucht ist der Verband nö. Schweinezüchter gemeinsam mit der nö. Schweinebesamung und Genetiktransfer GmbH. Hohenwarth bestrebt, die Leistungen und die Qualität der Zuchtschweine und Zuchteber sowie des Spermas stetig zu verbessern.

Unter Verwendung des bisher genausten Modells zur Zuchtwertschätzung, dem BLUP-Modell, wird für unsere Sauen und Eber anhand der eigenen und der Verwandtschaftsleistung die beste, lineare, unverzerrte Vorhersage (predication) geschätzt. Wesentliche Bestandteile dazu sind einerseits die Leistungserfassung der Mast- und Schlachtergebnisse, durchgeführt als Österreichweit einheitliche Stationsprüfung in der ÖSPA in Streitdorf und als zweites die Aufzeichnung der Fruchtbarkeitsleistungen und Eigenschaften unserer Zuchtsauen bei den Zuchtbetrieben. Die gemeinsam durchgeführte Stationsprüfung ermöglicht es alle in Österreich gezüchteten Schweine in ihrer Leistungsfähigkeit zu vergleichen und als eine Population zu betrachten. Das BLUP-Modell ist in Österreich bereits soweit entwickelt, dass auch die Eigenschaft der Stressanfälligkeit, welche mit einem molekulargenetischen Test (MHS-Test) untersucht wird, Berücksichtigung findet. In Europa sind wir damit beispielgebend an vorderster Stelle.

Die konsequente Verfolgung der Stresssanierung zeigt sich in einem Anteil von 90 bis 95% genetisch stressstabiler Eber in der Besamungsstation Hohenwarth. Ein bestimmter Anteil züchterisch wertvoller Linien und besonderer Fleischvererber ist für die erfolgreiche Pietrainzucht weiterhin notwendig. Die Vorteile der BLUP-Zuchtwertschätzung zeigen sich  in der genetischen Weiterentwicklung von jährlich 3 bis 5 Punkten seit der Umstellung vom Index-Bewertung zum BLUP-Modell. Genauso führt die einheitliche Beurteilung einer größeren Population zu geringeren Schwankungen in der nachfolgenden Generation. Dies betrifft die Schlachtschweine im ÖHYB-Programm genauso wie die F1 Jungsauen. Die Erhebung der Fruchtbarkeitsleistungen ist durch den Einsatz elektronischer Sauenplaner und den nachfolgenden Auswertungen in großem Umfang möglich. Die Fruchtbarkeitsleistungen sind dadurch genauer vorhersagbar. Rückmeldesysteme aus der Ferkelerzeugung sind gemeinsam mit der Gen. nö. Ferkelproduzenten  im Aufbau. Besonders für jene Eigenschaften unserer Sauen die nicht im BLUP-Modell berücksichtigt sind, ist dies ein weiterer Beitrag zur Leistungsverbesserung. Wünschenswert ist auch die Zuordnung der  Schlachtergebnisse zu den eingesetzten Ebern um die in der Besamungsstation aufgestallten Tiere ohne großen Zeitverlust beurteilen zu können.

Zusammengefasst ergeben der BLUP Zuchtwert für Mast- und Schlachtleistung und der für Fruchtbarkeit zu gleichen Teilen einen Gesamtzuchtwert. Details zum BLUP Modell sind in den aktuellen Verkaufskatalogen des VNS beschrieben.

Ein wesentlicher Teil der Leistungen unserer Schweine hängt nicht von der genetischen Veranlagung, welche das mögliche Leistungspotential vorgibt ab, sondern, von der Umwelt und den Schwierigkeiten und Krankheiten mit denen ein Zuchtschwein konfrontiert wird. Um die züchterische Entwicklung nutzen zu können ist der Verkehr von Tieren und Sperma erforderlich.

Um jedoch die Gesundheit der Schweine zu erhalten, ist der Zustand eines Schweinebestandes und die mögliche Einbringung von Krankheitserregen durch Mensch oder Tier zu überwachen. Das Überwachungsprogramm des VNS erstreckt sich von der Parasitenkontrolle über die konsequente Untersuchung der progressiven Rhinitis athrophicans bis zu laufenden serologischen Kontrollen zu PRRSV Infektionen.

Alle Züchter sind Mitglied des Tiergesundheitsdienstes und in diesem Rahmen unter laufender Überwachung des Betreuungstierarztes. Maßnahmen zur Räudeüberwachung und die Beobachtung des Schweinebestandes nach Anzeichen einer klinischen Erkrankung sind für alle Züchter selbstverständlich. Ergebnis dieses engmaschigen Überwachungsprogramms sind gesunde Jungsauen, gesunde Eber und hochwertiges Sperma.

Der schonende Übergang von der Aufzucht einer Jungsau in die Phase der Fortpflanzung ist ein weiterer Punkt der die Leistung und damit das Einkommen für den Schweinehalter mitbestimmt. Unter dem Schlagwort Jungsaueneingliederung ist dies von verschiedenen Seiten bereits beschrieben worden. Entscheidend ist ein langsames Überführen in die Sauenherde mit Kontakt- und Reaktionszeiten für die betroffenen Tiere. Zur Sicherheit sollte die Möglichkeit der Untersuchung in einer vorgeschalteten Quarantäne vorgesehen werden. Bei langjährigen stabilen Lieferbeziehungen zwischen einem Züchter und einem Ferkelerzeuger gleichen sich die beiden Bestände gut aneinander an. Der Kontakt von Jungsauen mit einer gesunden Altsau etwa 4 Wochen vor der Überführung in den Wartestall oder in das Deckzentrum des Sauenstalls ermöglicht dem Immunsystem der Jungsau die bestandsspezifische Bakterienzusammensetzung kennen zu lernen und gibt Zeit zu reagieren. Eine andere Form ist nach einer Überwachungsphase (Quarantäne) die Jungsauen nur für 4 bis 6 Tage im Belegzentrum einzustallen, zu belegen und danach als eigene Jungsauengruppe vom Altsauenbestand separat bis zur Abferkelung zu halten. Auch auf diese Weise hat das Tier Zeit nach einem ersten schonenden Kontakt mit ihrem Immunsystem zu reagieren und vorbereitet in die Sauenherde zu gelangen. Als belegereif ist eine Jungsau anzusehen, wenn sie bereits mindestens einmal gerauscht hat, ungefähr 130 kg schwer und etwa 230 Tage alt ist.  Die richtige Eingliederung, Besamung und die fürsorgliche Betreuung und Versorgung der Jungsau sind günstig für ein langes und ferkelreiches Sauenleben.

Die genetische Veranlagung, die Gesundheit und der richtige Umgang mit unseren Schweinen sind für die leistungsbezogene Schweinehaltung neben den Produktionskosten ein wesentlicher Teil der Wirtschaftlichkeit.

Wir vom Verband nö. Schweinezüchter und von der nö. Schweinebesamungs- und Genetiktransfer GmbH in Hohenwarth stehen mit Rat und Tat an der Seite der Schweinehalter zur Förderung der Schweinezucht und zum Wohle der Schweinebauern.

Ing. Johann Nolz